Ergebnisse und Erfahrungen nach 4 Jahren Betriebsdauer



Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich mit der zuvor beschriebenen Wärmepumpenheizung recht zufrieden bin. Ich musste mich aber von der Vorstellung trennen, dass das Heizen damit kostengünstiger ist als mit dezentralen Öl- und Kohleöfen. Dafür habe ich aber mehr Wohnkomfort.
Die Wärmepumpenheizung wurde im November 2014 von einem Service-Mitarbeiter von VIESSMANN in Betrieb genommen. Die Einstellung der Steuerung beruhte auf Standard- bzw. Erfahrungswerten des Mitarbeiters. Diese galt es im Laufe des ersten Betriebjahres zu optimieren.Heizkennlinie
Da teurer Strom (in meinem Fall ein etwas günstigerer Wärmepumpentarif, wofür ich an Werktagen aber 2 EVU-Sperren von je einer Stunde in Kauf nehmen muss) als Antriebsenergie für die Wärmepumpenheizung verwendet wird, geht es nach der Devise: "Runter mit der Vorlauftemperatur." Außerdem sollte generell bei Wärmepumpen, nicht über die Thermostatventile die Raumtemperatur geregelt werden, sondern über die Wärmepumpensteuerung. D.h. die Heizungsventile sollten auf 5 stehen, ohne dabei den Raum zu überheizen.
Meine Wärmepumpenheizung wird über die Außentemperatur gesteuert. Es galt also im ersten Betriebsjahr, die Heizkurve so anzupassen, dass einerseits die gelieferte Wärmemenge ausreicht, die Räume zu beheizen, und andererseits die Vorlauftemperatur so gering wie möglich ist. Außerdem habe ich über die Zeitsteuerung eine Nachtabsenkung auf 16 ° C eingestellt.
Um die Heizkurve für das Gebäude zu optimieren, kann ich 3 Parameter einstellen. Die Raum-Solltemperatur, die Neigung und das Niveau.
Welchen Einfluss diese auf die Vorlauftemperatur des Heizkreises haben, sieht man in nebenstehender Grafik.



Nach dem ersten Betriebsjahr bin ich auf folgende Werte gekommen:

Raum-Solltemperatur:
22 ° C
Neigung:
1,1
Niveau:
6 K


Zur Ermittlung dieser Werte ging ich nach folgender Faustregeln vor:

RaumtemperaturAnpassung
generell zu niedrig:Niveau erhöhen
insbesondere an kalten Tagen zu niedrig:Neigung erhöhen
in der Übergangszeit zu gering, an kalten Tagen ok:Niveau erhöhen, Neigung senken
in der Übergangszeit zu hoch, an kalten Tagen ok:Niveau senken, Neigung erhöhen

(Quelle: https://heizung.de/heizung/tipps/die-heizkennlinie-richtig-einstellen/)

Sehr enttäuscht bin ich über die tatsächlich erreichten COP- (Coefficient of Performance) und JAZ-Werte (Jahresarbeitszahl). Laut technischen Daten erreicht die Vitocal 200-S-AWB-AC201.B07 Leistungszahlen (COP) von 3,24 bei 2 °C Außentemperatur und einer Vorlauftemperatur von 35 °C, bzw. von 4,28 bei 7 °C Außentemperatur und einer Vorlauftemperatur von 35 °C. Ursache dafür ist sicherlich, dass die Wärmepumpe nur selten mit einer Vorlauftemperatur von nur 35 °C arbeitet, sondern meist höher. Zum Anderen ist mein Messverfahren auch recht fehlerbehaftet. (Ich lese die aktuelle Wärmeleistung am Wärmemengenzähler ab und bestimme dann durch Zeitmessung für eine Umdrehung des Wärmepumpenzählers die Leistungsaufnahme.)
Im Januar 2017 ließ ich durch eine Spezialfirma das doppelschalige Mauerwerk meines Hauses durch Einblasen von JOMA Perl 033 (mit graphit imprägnierte Schaumpolystyrolkügelchen) dämmen. (Eigentlich eine Maßnahme, die man vor einer Heizungsumstellung machen sollte)
Das erste Ergebnis daraus war, dass ich die Neigung der Heizkurve von 1,1 auf 0,9 und das Niveau von 6 K auf 4 K reduzieren konnte. Mal sehen, welche Effekte diese Dämmmaßnahme auf die COP- und den JAZ-Wert haben?
Am 08.02.2018 musste ich feststellen, dass wahrscheinlich durch mehrmalige kurze Stromunterbrechnungen am Abend des Vortages, die Sicherung der Außeneinheit ausgelöst hatte. Beim Versuch, diese wieder hochzuklappen, löste sie abermals mit sichtbarem Lichtbogen aus. - Ein schwerwiegender Fehler schien vorzuliegen. Mein Heizungsfachbetrieb löste daraufhin einen Serviceauftrag bei Viessmann aus, der am 14.02.2018 kam. Bis dahin heizte ich 1:1 mittels des integrierten Durchlauferhitzers. Es war entgegen meiner Befürchtung nicht der Verdichter sondern die Steuerung der Außeneinheit defekt.
Der Viessmann-Techniker sah sich in dem Zusammenhang auch die Einstellungen innerhalb der Steuerung der Wärmepumpe (Vitotronic 200) an und empfahl mir auf Grund der für eine Wärmepumpe hohen Vorlauftemperaturen auf die Nachtabsenkung zu verzichten. Dadurch ist ein schonenderer Betrieb der Wärmepumpe möglich, da das aufwändige Hochheizen auf die Raumsolltemperatur zu Zeiten der geringsten Luftaußentemperaturen wegfällt. Außerdem bin ich auf folgende flachere Heizkurve gekommen:

Raum-Solltemperatur:
20 ° C
Neigung:
0,9
Niveau:
0 K

Um einmal zu verdeutlichen, wie ich die Heizkurve seit der Inbetriebnahme bis jetzt optimiert habe, hier die abfotografierten Heizkurven der Steuerung:

Kennlinie Inbetriebnahme
Kennlinie Inbetriebnahme
Heizkurve bei Inbetriebnahme
Heizkurve optimiert


Bei 0 ° C ist die Vorlauftemperatur optimiert jetzt 9 K niedriger als bei der Inbetriebnahme. Das ist schon beachtlich, aber trotzdem läuft der Verdichter bei dieser Temperatur noch in Belastungsklasse 5, d.h. die Differenz aus Verdampfungstemperatur und Kondensationstemperatur ist größer 50 K. Da blicke ich doch neidisch auf die Nutzer von Wärmepumpen mit Fußbodenheizung. Die haben solche Probleme nicht, da sie Vorlauftemperaturen unter 30 ° C haben.
Ein kleiner schöner Nebeneffekt des Serviceeinsatzes des Viessmanntechnikers war, dass dieser mir kostenlos die Vitoconnect 100 OPTO1 anbot. Das ist eine Schnittstelle zur Bedienung der Heizung über Smartphone-App. Voraussetzung ist ein WLAN-Router und ein DSL-Zugang. Durch Freischaltung entsprechender Ports im Router kann man selbst von Unterwegs die Heizung über das Internet überwachen und steuern.
Folgende Tabelle zeigt die die Jahresverbräuche an Wärmepumpenstrom, damit erzeugte Heizwärme, die Jahresbetriebstunden des Verdichters, die Jahresarbeitszahlen und die Jahresdurchschnittstemperaturen:

JahrStromverbrauchHeizwärmemengeBetriebsstundenJahresarbeitszahlDurchschnittstemperatur
2014910 kWh1970 kWh 269 h2,177,37 ° C
20152541 kWh5900 kWh1216 h2,3210,71 ° C
20162888 kWh6368 kWh1495 h2,2010,37 ° C
20172794 kWh6258 kWh 1068 h2,2410,32 ° C
20182536 kWh5561 kWh1235 h2,1911,21 ° C
2019     


Obwohl ich seit Mitte Februar 2018 auf die Nachtabsenkung verzichte, ist der Stromverbrauch für die Wärmepumpe nicht angestiegen sondern der Niedrigste seit 2015. Anteil daran hat sicherlich die Tatsache, dass 2018 das wärmste Jahr seit der Aufzeichnung der Wetterdaten war. Verwundert bin ich, dass sich die Optimierung der Heizkurve (immerhin eine Absenkung bei 0 ° C um 9 K) nicht positiv auf die Jahresarbeitszahl ausgewirkt hat. Ein Grund dafür kann die Tatsache sein, dass ich während des Defekts der Außeneinheit eine Woche bei Außentemperaturen von rund -15 ° C 1:1 über die elektrische Zusatzheizung der Wärmepumpenanlage geheizt habe. Ebenfalls ist bemerkenswert, dass trotz des Verzichts auf die Nachtabsenkung die Betriebsstundenzahl des Verdichters nicht merklich angestiegen ist, sondern im Mittel der Vorjahre liegt.

[Home] [Theorie] [Aufbau] [Techn. Daten] [Ergebnisse] [Rentabilität] [Schlussfolgerungen] [Photovoltaik und Klima] [Literatur u. Links] [Bilder] [Umfrage] [Solarthermie] [Solarfirmenverzeichnis] [Downloads] [In eigener Sache] [Impressum]